Tuesday, December 6, 2016

In der Stille #1

In die letzten Wochen des Jahres kehrt eine stille Magie ein. Es ist Winter und damit Zeit, zurückzublicken und innezuhalten. Was hat mich in diesem Jahr beschäftigt und was steht 2017 an?

Ich möchte mich zuerst den Büchern widmen, die ich 2016 gelesen habe und die mir am besten gefallen haben und die ich klar weiterempfehle.

Sabine Ibing hat den 1. Teil ihrer Bodensee-Krimi-Reihe Der Tote im Gänseteich veröffentlicht. Es war schwer für mich, das Lesen zwangsweise unterbrechen zu müssen, siehe die Rezension hierzu. Bemerkenswert fand ich, dass kein schneidiges Ermittlerduo den Machenschaften der Schleusermafia auf die Schliche kommt, sondern mit dem pensionierten Gerichtsmediziner Leo und der Journalistin Mia Menschen jenseits der 50 beweisen dürfen, dass sie einiges drauf haben. Auch mit dem Syrer Amedy hat Sabine der Odyssee und dem Schicksal der Kriegsflüchtlinge eine Stimme gegeben - und schlägt gesellschaftskritische Töne an, über die gewisse Leute nachdenken sollten.
Im vergangenen Jahr durfte ich die schöne Sophie in Frau mit Grill sucht Mann mit Kohle kennenlernen. Jetzt treibt sie als Königin der Costa Blanca ihr Unwesen (ab 01.12.2016). Die Rezension folgt demnächst auf diesem Blog.

Deutsch-amerikanische Beziehungen im Kalten Krieg - diesem Thema nimmt sich die aus Mainz stammende Autorin Paula Dreyser an. Zeitgeschichte, und ganz besonders das Kapitel Kalter Krieg interessieren mich seit je her (habe ja selbst meine eigenen Geschichten jenseits des Eisernen Vorhangs). So war es klar, dass ich nicht um Calling USA herumkam. Im "Deutschen Herbst" 1977 lernt Lydia den GI Steven kennen und lieben. Zwei verschiedene Kulturen und Lebensentwürfe prallen aufeinander - alles vor dem historischen Hintergrund der späten 1970er Jahre, RAF-Terror, Helmut Schmidts beherztem Handeln bei der Landshut-Befreiung in Mogadishu und einer leidenschaftlichen, aber kultivierteren Diskussionskultur bei entspanntem Zigarettenrauch und Bier in einer Kneipe, wie es sie damals in Mainz, aber auch in jeder anderen (west-)deutschen Stadt gab ...
Auch den Nachfolger Mein GI für einen Sommer habe ich gelesen, der ebenfalls im deutsch-amerikanischen Millieu spielt. Es mag so viele dieser Beziehungen zwischen deutschen Mädchen und Frauen mit amerikanischen Soldaten gegeben haben. Die einen endeten in einem fremden, riesigen Land, das manchmal schwer zu verstehen ist. Andere blieben Sehnsüchte, weil eben ein Ozean dazwischenliegt (so die Redewendung "oceans apart").

Nicht nur Historisches, sondern auch Science-Fiction gehört zu meinen Lieblingsgenres. Vor allem mit Tiefgang und absolut Mainstreamfrei. Ich hatte mich bei der Leserunde zu Alkatar beworben, nachdem mich die Posts Anja Fahrners neugierig auf ihren Roman gemacht haben - und natürlich auch ihre eigenen Posts. Die Leserunde überschnitt sich mit dem Urlaub, aber ich konnte dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen. Anja brachte mir die Welt des Planeten Sumas mit seiner matriarchalen Gesellschaftsstruktur eindrucksvoll nahe - doch auch die nahe Zukunft, das Jahr 2030, die gar nicht so unrealistisch ist, wenn die Menschheit so weitermacht und zerstört, Mitmenschen und -kreaturen ausbeutet und quält und keinen Baum mehr stehen lässt. Und das alles nur aus Profit- und Machtgier.
Interessant und mahnend ist das Projekt einer Gruppe Menschen, die unter Alkatars Führung auf dem Planeten Zadeg siedeln und sich bewähren. Bewähren sollen, denn ob das gelingt? Leider ist es so, dass sich immer der Lauteste und Aggressivste zum Anführer erhebt und ihm die stumme, eingeschüchterte Masse folgt und sich eigentlich gebildete Frauen seinem Patriarchat unterordnen. Siehe Trump und Konsorten.
Alkatar ist kein Roman, den man zuklappt und ins Regal stellt. Er hat lange bei mir nachgewirkt und tut es noch immer. Es bleibt heute umso mehr die Frage offen, ob die Menschheit ihre zweite Chance annehmen oder nach ihren Mustern handeln wird.

Mit diesem Gedanken beende ich diesen Blogbeitrag und ich werde ihn in den nächsten mitnehmen. Darin erzähle ich euch, wie es Steenborg geht und ob es ein Leben nach Vollendung dieses Romans gibt.

Monday, November 14, 2016

Making of "Steenborgs Ritt" # 5: Grüße aus Berlin

Berlin im Herbst. Die Originalschauplätze von "Steenborgs Ritt". Die Stadt ist um diese Jahreszeit zugig und kalt, so wie es der Roman beschreiben wird. Die sachliche Architektur des Regierungsviertels spiegelt sich im schnörkellosen Stil wieder, den ich bewusst verwende. Bedeutet aber nicht, dass das Emotionale zu kurz käme. So wie das prächtige Laub vor dem Kanzleramt die Struktur durchbricht, nimmt die Atmosphäre einen wesentlichen Raum ein.  
Doch seht selbst und kommt nächstes Jahr mit in ein Berlin, dessen andere Seite ihr noch nicht so kanntet. Ihr begegnet Arne Steenborg und Gesa, den Paparazzi und den Hofschranzen im Kanzleramt, dem Banker Albert Mosbach, für den Deutschland höchstens ein lukratives Abschreibungsobjekt ist, und auch der Vollblutsozialdemokratin Vera Winter ... 2017 sind wir bereit dafür.

"Establishment", "korrupte Eliten" und "die da oben" - soll man in Zeiten, in denen dumpfer Populismus Hochkonjunktur hat, einen politischen Roman schreiben? Darf ein Kanzlerkandidat Protagonist sein? Ja, gerade deshalb. Und weil ich die Welt kenne, in der "Steenborgs Ritt" spielt. Ich bin mir sicher, dass es genügend Menschen gibt, die genau dieses Buch lesen wollen - weil sie billigen Populismus nicht länger hinnehmen.